Es geschah an einem Montag

September 17th, 2007 by Gastgeberin

Von draußen dringen die Geräusche der Bauarbeiten ins Büro. Ansonsten liegt eine eisige Stille über den gesamten Flur. Alle Büros verschlossen und dunkel. Ihre Bewohner haben sich zu Schulungen, Besprechungen, Außenstellen oder zum Urlaub aufgemacht. Es scheint als würde der Kalender einen Brückentag anzeigen. Der Schein trügt.
Am Ende des Flurs. Ganz hinten rechts scheint noch eine kleine Lampe und ein Flachbildschirm brummt vor sich hin. Vor diesem Bildschirm in einem viel zu großen Büro sitzt einsam und verlassen die Wächterin über die Stille. Sie ist die letzte Überlebende in dem Krieg der Baustellengeräusche, Zahlen und Telefonanrufe. Die Sonne ist gerade im Beginn richtig auf zu gehen und der erste Cappuccino dampft neben der ergonomischen Tastatur, einem Beweis dessen wie sehr sich der Arbeitgeber hier bemüht den Mitarbeitern eine möglichst Gesunde Körperhaltung zu ermöglichen. Die Mitarbeiterin sitzt also völlig ergonomisch, aber mutterseelenallein in dem Flur. Mutterseelenallein? Nein! Hinter ihr- unbeachtet von der Welt hat sich Leben breit gemacht. Ein klitzekleines Leben in einer sauberen Kaffeetasse. Dort sitzt Veronika die Spinne. Veronika hat sich vor einer Woche vom Gebäude gegenüber hergemacht als das Fenster offenstand und der Wind günstig in Richtung Norden wehte. Sie hatte einen Windschirm aus ihren Faden gesponnen und ist auf der nächsten Böe hinübergeritten. Hui war das ein Spaß.
Hier hat sie sich sofort wohlgefühlt. Jeden Morgen roch es nach Kräutertee und Cappuccino. Hin und wieder wurde das leise plätschernde Radio von Billy Talent, Linking Park, Fall out Boy, Nickelback und The Cure abgelöst. Man sah dann die Mitarbeiterin lustig durch das Büro hüpfen und beschwingt einige Zahlen und Aufträge verwalten. Es war immer hell und freundlich hier. Niemand der jemand anderen böse anbrüllte oder fies lästerte. Hier wurde viel gelacht. Also dachte sich Veronika, hier mache ich es mir gemütlich. Auf dem Schränkchen neben der Senso Kaffeemaschine stand noch, wie für die klitzekleine Spinne vorbereitet eine saubere, nicht benutzte Kaffeetasse in der man prima ein kleines, nein ein klitzekleines Netz spinnen konnte. Und dort sitzt sie nun und harrt den Dingen die da kommen.
Nur heute, heute wird vermutlich nichts mehr kommen. Die Mitarbeiterin wird daher relativ pünktlich gehen…

Fern ab von den ganzen Geschehnissen gibt es noch andere Überlebende des Faul- oder Fluchtfiebers. Sie schärfen ihre Schwerter und warten auf den großen Tabellenkampf. Manchmal passiert es wenn man es nicht erwartet. Nur ein wachsamer Krieger ist diesen harten Anforderungen gewachsen. Andere haben es leichter. Sie sitzen in ihren verglasten Büros und reisen von einem Abendessen, Büfett und Kuchenessen zum anderen. Machen Notizen auf gebleichtem Papier und denken über den nächsten starken Umtrunk nach, bevor sie wieder Kekse aus der Gemeinschaftsküche beziehen.
Dieser Job verlangt allen etwas ab. Entscheidungen müssen getroffen und wieder verworfen werden. Irgendwer muss sie für Sinnlos und Albern erklären und irgendwer muss immer dagegen sein. Und wer könnte diese Opposition sein wenn nicht die fleißige Mitarbeiterin mit der Sucht nach Cappuccino, der Tabellenkrieger und die Bufettstürmerin?
Zuletzt und noch unbedingt erwähnenswert ist die Frau die über alles einen kühlen Kopf bewahrt und in fernen östlichen Landen die Opposition leitet. Sie hat ohne frage den wichtigsten Job. Sie ist die Repräsentantin einer ganzen Nation von Arbeitnehmern. Sie ist die Hoffnung der Arbeiter, die Tag für Tag in dieser Welt aus Anlagen, Rohrbrücken und klimatisierten Containern schuften um das innovativste und erstaunlichste Produkt an die bedürftige Menschheit zu übergeben. Den Superabsorber!

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Das neue Lebensgefühl

July 5th, 2007 by Gastgeberin

Da bin ich nun- angekommen in meinem neuen Büro mit meinem neuen PC, meiner neuen Tastatur und unter vielen anderen Dingen auch mit meinem neuen Telefon. Mein Name steht im Kommunikationsverzeichnis und mir persönlich wurden Berechtigungen vergeben. Okay ich bin noch nicht wirklich wichtig, aber das Gefühl ist toll.

Ich habe auch erstmal ein paar Packete Cappu hierher gestellt. Auf dem neuen Jacobscappu steht etwas von “mehr Schaum” da dachte ich das wäre etwas für mich. Allerdings bin ich mir da mittlerweile nicht mehr so sicher:
Das Pulver reagiert laut knisternd bei dem Kontakt mit Wasser. Vermutlich sind ablaufende chemische Reakionen nicht ganz unbeteiligt an der Schaumbildung. Anders kann man sich die Lautstärke des Knisterns kaum erklären. Da ich ja eh in einem Chemiepark tätig bin und den interessanten Gerüchen der unterschiedlichen Produkte nahezu täglich ausgesetzt bin, denke ich zwar das ich inbezug dessen sehr abgehärtet bin- aaaber will ich trotzdem wirklich alles in mein hineinschütten? Nein, ich denke nicht.

Ich sollte ein Buch schreiben. Ich werde ihm den Titel geben: “Der Chemipark und seine Menschen.” Vermutlich muss ich das zwar erst genemigen lassen und einige Dinge werden gestrichen werden, aber alles in allem wird ein tolles Werk dabei herum kommen… Das muss man einfach erlebt haben!

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Die verlorene Wolldecke

June 1st, 2007 by Gastgeberin

Heute lag da mitten auf der Kraftfahrstraße mutterseelenallein eine Wolldecke. Sie wehte jedem vorbeifahrenden Menschen freundlich zu und leuchtete so vor sich hin im hellen Sonnenlicht. Sie war hellbraun- fast beige und sah nicht im entferntesten verbraucht oder zerschlissen aus. Ich frage mich wie sie dorthin kam. Wolldecken fliegen doch nicht einfach so vom Rücksitz. Ich stelle mir also folgendes vor:
Eine glückliche junge Familie hat einen Ausflug geplant. Wegen dem schönen Wetter haben sie im Cabrio das Verdeck offen gelassen. Die Mutter saß vorne auf dem Beifahrersitz und lächelte verliebt ihrem Göttergatten zu. Der Wind wehte ihr ins Gesicht und blies kühn durch ihr Haar. Hinten das kleine Kind. Gerade hatte es die ersten Gehversuche hinter sich. Zum Schutz vor dem kühlen Luftstrom des Frühlings war die kleine grinsende blauäugig strahlende in eine Wolldecke eingewickelt. Eben in diese beige Decke. Das Glück schien perfekt und die Wolldecke gab sich alle Mühe der Welt die Wärme des kleinen Körpers zu stauen. Als das Elend losbrach: Wind fing sich in der Decke und blähte sie auf. Das Kind klammerte sich daran fest und wurde vom Starken Luftstrom aus den Gurten gerissen. So hing es nur hundertstel Sekunden völlig loose in der Luft wenn nicht, ja wenn nicht die Mutter in Todesangst um ihr Baby mit einem irrsinns Stunt über den Sitz nach hinten gesprungen wäre um das Kind im letzen Moment zu packen und zurück ins Auto zu ziehen. Dabei ging lediglich die Wolldecke verlustig. Doch der Familie ist außer einem Schrecken nichts geschehen.

Nur so kann es gewesen sein… oder etwa nicht?

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