Und schießlich gibt es das älteste und tiefste Verlangen, die große Flucht: Dem Tod zu entrinnen.
Die Vorstellungen von einem Vampir gehen weit auseinander. Ebenso die zugeschriebenen Fähigkeiten. Die allgemeingültige Definition bezieht sich lediglich darauf, dass der Vampir ein Wiedergänger darstellt, welcher durch das Saugen von Blut seine eigene Lebenskraft erneuern kann. Doch schon die Vorstellung der Gestalt des Vampirs ist nicht einstimmig überliefert. Wobei die Slawen den Vampiren eine bleiche und hagere Figur zuschrieben wurde vor allem in England die Vorstellung verbreitet es handle sich um fettleibige Gestalten mit rötlichen Gesichtern. Anderer Orts wird er als ein mit Blut gefüllter Hautsack bezeichnet.
Diese Vorstellungen liegen weit entfernt von der heutigen, erotischen Darstellung. In Bulgarien glaubte man, dass Vampire nur ein Nasenloch hätten und in Polen besaßen sie bienenstachlige Zungenspitzen. Wiederrum einig war man sich, dass sie lange, spitze Eckzähne und einen hypnotischen Blick ihr eigenen nennen. Wiederrum war der Duft, der von ihnen ausgeht, nicht eindeutig geklärt. Zum einen sind sie bereits tot und strömen somit einen Leichengeruch aus, doch zum anderen Verwesen sie nicht, daher ist der Geruch undefinierbar.
Die Eigenschaften die dem Vampir zugesprochen werden sind folgende: Es ist ihm möglich sich in jedes beliebige Tier zu verwandeln, selbst in Nebel oder er kann sich sehr klein machen und durch Löcher verschwinden. Er kann sehr gut im Dunkeln sehen und sich sehr schnell bewegen, für Sterbliche unerkennbar schnell. Er kann zumeist fliegen oder senkrechte Wände hochklettern. Hin und wieder wird ihm sogar zu gesprochen er könne auf den Strahlen des Mondlichts reisen. Der Mond hat großen Einfluss auf seine Macht und Stärke. Je nach Mondphase schwindet oder steigt sie. Außerdem kann er Menschen hypnotisieren und somit verzaubern. Seine Schlafstätte erkennt man durch Irrlichter, die gerade in krankheitserregenden Sumpf- und Moorgebieten vorhanden waren oder an herabgegangene Sternschnuppen. Vampiren ist es nicht möglich fließendes Wasser zu überqueren, sie haben weder Spiegelbild noch Schatten. Er muss bei Tagesanbruch wieder in seinem Sarg liegen, da Sonnenlicht ihn vernichtet, genau wie Wasser. Er kann keine Nahrung zu sich nehmen und es ist möglich ihn mit Knoblauch und Kruzifixen in Schach zu halten.
Der Vampirglaube schloss sich direkt an den Hexenglauben an. Und somit waren sicher auch die Gründe sehr ähnlich. Im 18. Jahrhundert, dem Höhepunkt der Vampirangst, gab es noch sehr viele Seuchen, Krankheiten und daher viele Toten und viel Leid. Wie bei jedem Unglück oder Übel muss ein Schuldiger präsentiert werden. Waren es zunächst noch die Hexen, so wurden daraus bald die Wiedergänger. Der Glaube an Vampire schloss die Dorfgemeinschaft enger zusammen um die Qualen zu ertragen. Dennoch existierten unzählige Möglichkeiten ein Vampir zu werden.
Der Vampirbiss ist hierbei zwar die berühmteste aber nicht die einzigste Methode. Da er allerdings durch Medien erotisiert wurde und auch weiter ausgeschmückt wurde sind andere Möglichkeiten mit der Zeit untergegangen. Die Verwandlung zu einem Vampir hängt mit den Vorstellungen der Kirche und des Glaubens zusammen. Ungetaufte und totgeborene Kinder werden als Vampire wiederkehren, auch Exkommunizierte werden zu Vampiren. Ein Teil des Fluches, der auf diesen Menschen lastet ist: "...und die Erde werde deinen Leib nicht empfangen". Vampire sind also unreine und rachsüchtige Wesen. Dem christlichen Glauben zufolge erhält man diese Unreinheit und den Fluch als Vampir wiederzukehren durch bestattung auf unheiligem Boden oder Bestattungen die nicht den christlichen Riten folgen. Da so aber längst nicht jedes Unglück und somit jedes Vampiraufkommen erklärbar war, mussten noch weitere Möglichkeiten gesucht werden. Die Erklärungen bezogen sich auch immer mehr auf körperlich oder geistig Behinderte oder Menschen mit "abnormalen" Körperbildungen. All jene die sich von der Masse der Dorfgemeinschaft abhoben galten als potenzielle Vampire. So galten allerdings auch Kinder von Mördern, aus Inzest hervorgegangene Kinder, Wechselbälger (Kinder die von Dämonen ausgetauscht wurden, sie galten als hässliche, verschrumpelte und schreiende kleinwüchsige Gestalten), im selben Monat zur Welt gekommene Brüder, bei Neumond oder dem 25. Dezember (Christi Geburt) Geborene oder Kinder die die Fruchtblase zu verschlingen versuchten als Unrein und somit waren es ebenfalls mögliche Vampire.
Nach der Geburt war es ebenfalls noch möglich Unrein zu werden. Man musste um das zu verhindern ein moralisch einwandfreies Leben führen, keine schlechten Charaktereigenschaften an den Tag legen und keine Sünde begehen. Ebenso konnten all jene die zuvor als Hexen galten als Vampire wiedergeboren werden. Da der Hexenbegriff sich auf fast jeden beziehen konnte. War auch wie bei der Hexenverfolgung fast jeder Mensch ein potentieller Vampir.
Zuletzt war es bis hin zur Bestattung möglich als Vampir zu enden. Menschen die ledig verstarben wurden am Wiederauferstehen als Vampir gehindert durch die Eheschließung mit einem Baum, Stein oder anderen lebenden Menschen. Wie schon zuvor erwähnt war das Ritual des Begräbnisses entscheidet für die ewige Ruhe des Toten. Es musste vollständig und korrekt vorgenommen werden. Wenn unreine Tiere über den Leichnam springen oder fliegen, wenn es auf den Toten regnet oder wenn sich die Träger des Sarges beim hinaustragen aus dem Haus noch mal umdrehen kann der Tote sich nicht lösen und ins Jenseits gelangen. Auch der Ort des Begräbnisses ist entscheidend. In Serbien begrub man die Toten niemals an einem Kreuzweg. Denn ihre Seele kann sich beim Verlassen des Körpers nicht für eine Richtung entscheiden und verweilen somit jede Nacht an dieser Kreuzung. Des weiteren wurde nach Dämmerung diese Orte gemieden da dort Selbstmörder begraben wurden.
Um von vorneherein auszuschließen, dass jemand wiederkehrt wurden bei der Beerdigung selbst die Füße zusammengebunden, der Körper in ein Fischernetz gewickelt und Fuß- und Kniesehen durchtrennt. Des weiteren konnte er mit Hostien, Knoblauch und Kruzifixen im Grab gehalten werden. Oder Steine auf die Brust legen, den Körper am Sarg festnageln oder eine schwere Grabplatte taten hier ebenso ihren Dienst. Um die Augen geschlossen zu halten und dem Toten Kleingeld für die Reise ins Jenseits mitzugeben wurden ihm die Münzen auf die Augen gelegt.
Weitere verbreitete Möglichkeiten waren ihn auf dem Bauch liegend zu vergraben, so dass er sich statt aus dem Grab heraus immer tiefer in die Erde grub, den Kopf in ein anderes Grab zu legen, so dass er erst suchen musste bevor er Übel verbreitete, eine Sichel um den Hals legen, damit er sich beim aufstehen selbst köpft oder einen Pflock in die Erde treiben damit er sich selber pfählt. Weihwasser rund um das Grab verhinderte das er diese Stelle verlässt.
Das Haus musste ebenfalls geschützt werden um ein eindringen zu verhindern. Im modernen Glauben darf ein Vampir erst das Haus betreten wenn er eingeladen wurde und dann dort nach belieben ein und ausgehen. Doch der ursprüngliche Glaube bezieht sich auf die Willkürlichkeit mit der Schreckliches geschehen konnte. Um den Vampir fernzuhalten wurde Knoblauch oder Dornengewächse vor den Fenstern und Türen gehangen. In den Dornen verhedderte sich der Vampir dann. In Dänemark hing man ein Spinnrad über das Eingangstor und der Vampir musste vor dem eintreten sooft um das Haus laufen wie das Spinnrad sich gedreht hatte. Das dauerte meist bis zum Tagesanbruch.
Um ihn im Grabe zu erkennen wurden junge, noch nie gestauchte Pferde, Stiere oder Gänse über die Gräber geführt. Sobald sie scheuten wusste man, dass dort ein Vampir schlief. Auch wenn sie Hähne dort niederließen standen diese Gräber unter Verdacht Vampire zu beherbergen.
Man öffnete dann das Grab und fand man den Leichnam unverwest, mit offenen Augen und gewachsenen Nägeln und Haaren oder völlig in Blut getaucht, dann war es sicher, das dies ein Vampir war.
In diesem Fall stößt man ihm eine Pflock aus Erlen-, Eschen-, Weißdorn-, Rosen- oder Espenholz ins Herz oder in den Nabel und trennte den Kopf vom Leib. Anschließend wurde das Herz entnommen und zerhackt und der Körper verbrannt. Die Asche wurde entweder am Kreuzweg begraben, in den Wind oder ins Wasser gestreut. Da ein Vampir die Fähigkeit hatte Verletzungen regenerieren zu lassen musste um ihn vollständig zu vernichten der gesamte Leib zerstört werden. Vampire zerfallen bei Tageslicht zu Staub oder verwesen blitzartig. Exkommunizierte brauchte man nur nachträglich zu segnen, danach zerfallen auch sie zu Staub. Am wenigsten grausam und blutig war die Methode ihm das Leichentuch wegzunehmen. Ohne das konnte er tagsüber nicht mehr ruhen.